GILL LEWIS: EIN ZUHAUSE FÜR IMMER

Man könnte denken, es ist völlig normal, dass jemand mit Scarlet schimpft, sie sollte mal ihrer Mutter beim Haushalt helfen und sie sollte mal ihr Zimmer aufräumen. Aber nicht wenn dieser jemand Miss Gideon vom Jugendamt ist und auch nicht wenn in Wahrheit die zwölfjährige Scarlet die ganze Wohnung aufgeräumt und geputzt hat und nicht ihre Mutter. Normal ist das nur für Scarlet und ihren kleinen Bruder Red.

Denn einmal im Monat kommt Miss Gideon der Pinguin vorbei und kontrolliert die „Lage“ bei ihnen zu Hause. Pinguine, so nennen die beiden die Leute vom Jugendamt, denn sie stolzieren herum und stochern überall mit ihrer Nase herum, genauso wie die Pinguine im Zoo.

Der Zoo ist Scarlets und Reds einziger Zufluchtsort, wenn ihre Mutter mal wieder den ganzen Tag im Bett liegt oder das Geld am Monatsende knapp wird. Dort kann Scarlet in Ruhe ihre Bücher lesen und Red die Vögel im Tropenhaus beobachten, nur dort können sie wie richtige Kinder sein.

Die ganze Situation läuft aus dem Ruder, als Scarlet den kranken Red mit ihrer Mutter alleine lässt und es in der Wohnung anfängt zu brennen, während sie in der Schule ist. Die beiden Kinder werden von ihrer Mutter getrennt. Scarlet kommt in eine Pflegefamilie und muss auf eine neue Schule gehen. Doch wo ist Red? Verzweifelt macht sich Scarlet auf die Suche, denn sie weiß, ihr kleiner Bruder ist ohne sie verloren.

Dieses Buch hat mich stark zum Nachdenken gebracht. Immer habe ich mir die Frage gestellt: Möchte ich, dass Scarlet bei ihrer Mutter und ihrem Bruder ist, oder wünsche ich ihr, dass eine Pflegefamilie sich um sie kümmert und ihre richtige Familie gewissermaßen ersetzt?

Trotz des ernsten Themas hat die Autorin es geschafft die Geschichte auch für ein jüngeres Publikum zugänglich zu machen. Dadurch, dass sie einige Sachen, wie das genaue Krankheitsbild der Mutter nicht genau beschrieben hat, war es nicht zu heftig und der Fokus lag eher auf den Kindern.

 

ISBN 978-3423761840 / 14,95 Euro/ dtv / ab 10 Jahren / 224 Seiten / Aus dem Englischen von Siggi Seuß

Von Anne Bachmann (16 Jahre alt)

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JANDY NELSON: ÜBER MIR DER HIMMEL und ICH GEBE DIR DIE SONNE

Jandy Nelson: Über mir der Himmel

Lennie ist 17 Jahre alt und lebt mit ihrer Grama und ihrem Onkel Big in einem großen Haus. Bevor ihre Schwester Bailey starb, stand sie immer in deren Schatten. Jetzt steht Lennie alleine da und kann sich nicht mehr hinter der großen Schwester verstecken. Als die beiden Mädchen noch sehr klein waren, verschwand deren Mutter. Damit klarzukommen war immer schwer für Lennie und es kommt nach Baileys Tod wieder hoch. Im Schulorchester trifft Lennie den charmanten Franzosen Joe Fontaine und auch dem Exfreund ihrer Schwester kommt sie gefährlich nah. Nun findet sie sich in einer Situation wieder, die sie mit ihrem Lieblingsbuch „Sturmhöhe“ vergleicht. Während des Lesens hat es mich ein wenig genervt, dass sie sich immer wieder mit dem Leben von Heathcliff und Catherine vergleicht. Ich habe schon häufig Bücher gelesen in denen die Protagonisten sich mit den beiden vergleichen und hätte mir vielleicht mal etwas anderes gewünscht.

Außerordentlich gut gefallen haben mir die Gedichte von Lennie. Diese spiegelten ihre Gefühlswelt manchmal besser wider als im erzählten Teil des Buches . Es war sehr schön zu sehen, wie Lennie sich über einige Irrungen und Wirrungen sich selbst und auch die „wahre“ Liebe findet.

Ein Auszug meines Lieblingsgedichtes von Lennie:

„Trauer ist ein Haus, in dem die Stühle vergessen haben wie man trägt,

die Spiegel wie man unser Bild zurückgibt,

die Wände wie man uns umfängt. (…)

Trauer ist ein Haus, in dem niemand dir Schutz geben kann,

in dem die kleine Schwester älter als die große wird.“

Jandy Nelson: Ich gebe dir die Sonne

In ihrem zweiten Roman zeigt uns Jandy Nelson wieder ein Familienszenario. Jedoch hier mit einem größeren Fokus auf die Familie, als auf die Liebe. Noah und Jude sind Zwillinge. Man begleitet sie über drei Jahre, in denen sie sich sehr stark verändern und zu jungen Erwachsenen werden. Die beiden kämpfen stark damit, dass ihre Mutter früh stirbt. Viel mehr möchte ich auch nicht zu der Handlung sagen, denn es geht auch viel um Geheimnisse, jedoch sollten man wissen, dass man sich auf ein Gefühlschaos einstellen muss.

Die beiden Zwillinge haben mich einfach verzaubert und auch die Entwicklung der Protagonisten wurde sehr gut dargestellt.

Meine Meinung zu der Autorin Jandy Nelson

Wie man schon heraushören kann, haben mir beide Romane von Jandy Nelson überzeugt. Sie hat vielschichtige und nicht direkt durchschaubare Charaktere erfunden mit denen man sich gut identifizieren konnte. Es hat mir außerdem gefallen, dass Familien so eine große Rolle in den beiden Romanen gespielt hat.

Jandy Nelson kann ich allen empfehlen, die gerne Liebesromane mit Tiefgang lesen.

Jandy Nelson: Ich gebe dir die Sonne. ISBN: 978-3-570-16459-4 / € 17,99 / cbt / ab 14 Jahren / 480 Seiten / aus dem Englischen von Catrin Frischer

Jandy Nelson: Über mir der Himmel. ISBN: 978-3-570-31123-3 / € 9,99 / cbt / ab 14 Jahren / 352 Seiten / aus dem Englischen von Catrin Frischer

Anne Bachmann, 14 Jahre

Inés Garland: Wie ein unsichtbares Band

Wie ein unsichtbares BandDas junge Mädchen Alma lebt mit ihren Eltern in Buenos Aires. Am Wochenende fahren sie immer gemeinsam zu ihrem Haus auf einer Insel im Flussdelta. Dort lernt sie auch ihre besten Freunde, Carmen und Carmens großen Bruder Marito, kennen. Die Insel ist das Paradies der Kinder, soziale Unterschiede spielen keine Rolle. Jedenfalls bis zu dem Punkt, wo sich zwischen Alma und Marito mehr als bloße Freundscha‰ft entwickelt, was Almas Eltern sehr missfällt. Die Geschichte erzählt erschreckend authentisch aus dem Leben zweier argentinischer Familien, die aus verschiedenen Milieus zur Zeit der Militärdiktatur kommen. Jedoch steht die politische Situation eher im Hintergrund, viel mehr wird auf die Familien und ihre Lebensart eingegangen.

Es handelt sich hierbei um einen Roman, der tief unter die Haut geht. Man taucht vollständig in eine fremde Kultur ein und bekommt ihre Freude und Trauer zu spüren. Ein Jugendroman, der einem die Augen öffnet!

ISBN 978-3-396-81117-5 / € 7,99 / Fischer KJB/ ab 14 Jahren / 256 Seiten / Aus dem Spanischen von Ilse Layer

Meret Raudonat, 17 Jahre

 

Catharina Junk: Auf Null

Auf Null

Nina hat ihr Abitur geschafft. Ist mit der besten Freundin weggezogen. Und dann: Leukämie. Für die •20-jährige bedeutet das Krankenhaus, mehrmals Chemotherapie, Rückfälle und vor allem ein von Freunden und der Familie isoliertes Leben mit wenig Kontakt zur Außenwelt. Nach einem Jahr in der Klinik muss Nina neu anfangen, ihrem Körper zu vertrauen und wieder anderen Menschen näherzukommen. Ihr inzwischen radikal religiöser Bruder, ihre beste Freundin, mit der sie sich zerstritten hat und die große Liebe warten auf sie. Aber Nina schottet sich ab, um alle, die ihr wichtig sind, vor ihr und einem erneuten Rückfall zu schützen. Schafft sie es, sich das Leben zuzutrauen?

In einem beeindruckend schlichten und trotzdem packenden Stil erzählt Nina parallel die Geschichte ihres Krankenhausaufenthalts und des anschließenden Neubeginns und spricht auf einfühlsame und gleichzeitig komische Weise die Schwierigkeiten an, mit denen gerade junge Menschen nach schweren Krankheiten kämpfen. Das Buch fesselt nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene sehr: Man merkt erst, dass man angefangen hat, es zu lesen, wenn die Geschichte leider schon wieder vorbei ist.

ISBN 978-3-463-40668-8 / € 19,95 / Kindler / für junge Erwachsene / 396 Seiten

Julica Schütz, 19 Jahre

Edward van de Vendel/ Roy Looman: Krebsmeisterschaft für Anfänger

krebsmeisterschaft

Der 15-jährige Max führt ein normales Teenagerleben mit Mädchen, Küssen, Partys und Fußball. Doch alles ändert sich. Bei Max wird Lymphknotenkrebs diagnostiziert. Das bedeutet Übelkeit, Krankenhaus und ganz viel Chemo. Doch seine Freunde und Familie unterstützen ihn voll und ganz. Auch, wenn er das manchmal nicht will. Doch wird das Spiel für Max gut ausgehen?

Ich persönlich fand das Buch sehr gut, weil man erfahren hat, wie die Menschen mit einer solchen Krankheit umgehen. Außerdem weiß man nach dieser Geschichte, dass es sich lohnt immer weiter zu kämpfen, egal wie weit unten man sich befindet.

ISBN 978-3-551-58350-5 / € 13,99 / Carlsen / ab 12 Jahren / 208 Seiten / Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf

Florentina Kraft, 13 Jahre

Christoph Scheuring: Echt

Echt

Albert, 15, fotografiert gerne. Aber er macht keine normalen Fotos. Er fotografiert Abschiede am Hamburger Hauptbahnhof. Doch dann trifft er Sascha und Kati. Während er versucht, ihr Leben zu verstehen, merkt er, dass Abschiede eben doch keine perfekten Momente sind und nicht alle es so leicht haben wie er. Das Buch „Echt“ hat mir gut gefallen. Man kann sich in Albert hineinversetzen und findet auch schnell in die Geschichte hinein.

Das Buch ist zwar nicht sehr spannend oder actionreich, man möchte aber trotzdem weiterlesen, da es einen ergrei‰ft und sehr real erscheint. Außerdem lernt man den Hamburger Hauptbahnhof von einer ganz anderen Seite kennen, die man sonst einfach übersieht, obwohl sie so allgegenwärtig ist.

ISBN 978-3-7348-8203-6 / € 9,00 / Magellan / ab 14 Jahren / 255 Seiten

Emilia von Riegen, 15 Jahre

Antoinette Lühmann: Dragonfly – Finde deine Bestimmung

Im Königreich Himmerland wird das Schicksal aller 14-jährigen am Tag des Triviums bestimmt. Doch was Charlotte dort prophezeit wird, kann nicht stimmen: Sie soll eine magische Begabung haben, davon hat sie aber ihr ganzes Leben nie etwas gemerkt. Trotzdem wird sie jetzt gejagt – Die Magie in Himmerland verschwindet immer mehr und Menschen mit magischen Begabungen werden vom König weggesperrt. Nun ist Charlotte mit dem geheimnisvollen Fynn auf der Flucht und versucht, das Geheimnis
um ihr Schicksal zu lü‰ften …

Die Grundlagen des Buches sind interessant und hätten eine spannende Geschichte ergeben können. Leider funktioniert der Erzählstil nicht besonders gut. Die Sichtweise springt alle zwei, drei Seiten von der Hauptfigur zu einer Nebenfigur oder einem der Antagonisten und so kann man der eigentlichen Geschichte schlecht folgen. Spannung kommt erst ab der Häl‰fte auf und ebbt dann recht schnell wieder ab, sodass man beim Höhepunkt am Ende nicht mehr wirklich mitfiebert. Einige Szenen sind durchaus interessant und manche der Figuren und magischen Wesen sind gut beschrieben, aber als Ganzes ist „Dragonfly“ leider nicht sehr lesenswert.

ISBN 978-3-649-66684-4 / € 16,95 / Coppenrath-Verlag / ab 12 Jahren / 416 Seiten

Lian Alipour, 18 JahreIMG_3454