Monat: Juli 2016

Kevin Brooks: Bunker Diary

Der 16-jährige Linus wacht in einem Bunker auf, nachdem er von einem Fremden entführt wurde. Mit ihm eingesperrt sind fünf weitere Menschen: ein neunjähriges Mädchen und vier Erwachsene. Vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten, sind sie ihrem Entführer ausgeliefert. Sie sind gezwungen, miteinander auszukommen, um zu überleben und zu fliehen, doch der Unbekannte hat komplette Kontrolle über die Gefangenen und beginnt, sie gegeneinander auszuspielen…

„Bunker Diary“ ist das Tagebuch von Linus, das er während der Gefangenschaft führt. Er beschreibt die geradezu klaustrophobische Zeit im Bunker so, dass man mit den Gefangenen und ihrer Situation mitfühlen kann. Die Figuren fühlen sich echt an, besonders Linus, der Erzähler.

Dieses Buch lässt sich nicht aus der Hand legen und bleibt auch nach dem Lesen noch im Gedächtnis mit einem Ende, das man nicht erwartet hätte. Obwohl es keine komplexe Handlung gibt, ist „Bunker Diary“ sehr spannend, was an der Interaktion der Figuren und der fühlbaren Enge des Bunkers liegt. Das Buch ist aus gutem Grund ab 16, ohne dass es viel Gewalt enthält, aber die Atmosphäre ist bedrückend und wird gegen Ende immer düsterer. Definitiv lesenswert.

ISBN: 978-3-423-71673-4, EUR 8,95, dtv-Verlag, ab 16 Jahren, 288 Seiten, aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn

Lian Alipour, 17 Jahre

Marcus Sedgwick: Das Glück ist blind (aber nicht unsichtbar)

Der Vater der 16-jährigen Laureth ist Schriftsteller und sollte eigentlich auf Recherchereise in der Schweiz sein, als Laureth eine Nachricht erhält: Sein Notizbuch, von dem er sich nie trennen würde, wurde in New York City gefunden. Entschlossen fliegt Laureth von London nach New York, begleitet von ihrem kleinen Bruder. Sie versucht, den Spuren ihres verschwundenen Vaters zu folgen – obwohl sie blind ist. Laureths Vater arbeitete an der Recherche für seinen nächsten Roman über den Zufall und so folgt Laureth einer Reihe von Zufällen, in der Hoffnung, ihren Vater zu finden. Dabei orientiert sie sich am Buch ihres Vaters, dessen Notizen ebenfalls Teil der Geschichte sind.

Laureth ist die Erzählerin, also erfährt man nie, wie die Figuren oder die Umgebungen aussehen. Es macht das Buch sehr interessant, dass man komplett auf das Visuelle verzichten muss. Stattdessen gibt es Beschreibungen, wie sich Laureth trotz Blindheit in einer unbekannten Großstadt zurechtfinden kann. „Das Glück ist blind (aber nicht unsichtbar)“ ist ein spannendes Buch über Zufälle aus der Sicht einer interessanten Protagonistin, das ein paar überraschende Wendungen bereithält.

ISBN: 978-3-423-65021-2, EUR 14,95, dtv-Verlag, ab 13 Jahren, 260 Seiten

Lian Alipour, 17 Jahre

Ellen van Velzen: Der Turm der Drachenlenker

Die Geschichte spielt in einem kleinen Dorf, das auf Stelzen steht. Über dem Dorf schweben angebundene, große Lenkdrachen, die das Dorf beschützen sollen – vor Ungeheuern. Erbaut werden die Drachen von Drachenlenkern. Die Hauptperson Jani wird auch ein Drachenlenker. Doch er merkt schon bald, dass etwas nicht in Ordnung ist. Die anderen Drachenlenker erzählen ihm nicht alles. Wieso findet er zum Beispiel eine schwarze Kralle auf dem verbotenen Dachboden? Die schwarze Kralle wird eine wichtige Rolle spielen, denn sie gehört einem Ungeheuer! Interessant ist auch die Freundin von Jani, die anfangs seine Liebe zu den Drachen nicht nachvollziehen kann.

Am Ende gibt es eine große Wende, mit der ich nicht gerechnet habe. Mir hat das Buch insgesamt gut gefallen, da es viele tolle Charaktere gibt und die Handlung spannend ist. Es ist eine schöne, fantasievolle und außergewöhnliche Geschichte. Außergewöhnlich, da die Geschichte in einer anderen Welt spielt. Hier gibt es andere Traditionen, Kulturen und Sagen, als ich sie kenne. Nicht so gut hat mir das Ende gefallen, da es sehr knapp beschrieben wurde.

Das Buch empfehle ich allen, die gerne spannende Fantasy-Geschichten lesen und die auch etwas kompliziertere Handlungen mögen.

ISBN 978-3-8369-5854-7, EUR 14,95, Gerstenberg Verlag, ab 11 Jahren, 256 Seiten, aus dem Niederländischen von Maike Blatnik

Gesa Bachmann, 11 Jahre

Nina Blazon: Feuerrot

Madda, eigentlich Magdalene, hat Glück. Das denken jedenfalls alle, als sie, nachdem starke Missernten und viele Unwetter ihre Familie in die Armut stürzten, Arbeit als Magd bei dem reichen Kaufmann Humpis bekommt. Doch ist diese Arbeit wirklich ein Segen für Madda? Diese Frage lässt sich klären, als Kaufmannssohn Lucio aus Italien bei Familie Humpis auftaucht. Lucio ist geheimnisvoll und verschlagen, doch scheint ihn jeder zu mögen und ihm zu vertrauen. Als er Madda verführen will und sie ihn zurückweist, zeigt er sie der Hexerei an.

Auch Elisabeth hat es als Ziehtochter in der Humpis Familie nicht gerade leicht. Sie ist hin- und hergerissen zwischen ihrer Liebe zu Humpis‘ Enkel Beno und den Gesetzen ihrer Tante zum Thema Ehemann. Noch dazu versucht Lucio auch sie zu verführen. Und um sie herum toben in Ravensburg die Hexenprozesse unter dem allerseits gefürchteten Inquisitor Heinrich Kramer. Wird Madda es schaffen, sich vor dem Scheiterhaufen zu retten? Und was führt Lucio wirklich im Schilde?

Dieses historische Jugendbuch legt nahe, wie es bei einem Hexenprozess wirklich zuging, erzählt aber auch von Freundschaft und Liebe. Es ist sehr gut geschrieben, abwechselnd wird aus Elisabeths und Maddas Sicht berichtet. Mir gefiel dieses Buch sehr gut, ich konnte es kaum aus der Hand legen und musste einfach weiter lesen.

ISBN 978-3-473-40133-8, € 16,99, Ravensburger, ab 13 Jahren, 511 Seiten

Emma Michaelsen, 16 Jahre