Historische Romane

Marco Kunst: Herr der Zeiten

Im 17. Jahrhundert will der Arzt Zacharias Kroonsz das Geheimnis der Lebenslinien herausfinden. Sein Sohn Wessel hilft ihm bei seinen Forschungen, aber er erkennt bald, dass Zacharias sich auf einen dunklen Pfad begibt und sich in seinem Wahn zu verlieren droht. Jahrhunderte später, im Jahr 2013, werden Pink und Bor in Zacharias‘ Machenschaften hineingezogen und müssen sich mit Wessel verbünden, um seinen Vater zu besiegen.

„Herr der Zeiten“ beschäftigt sich mit einigen interessanten philosophischen Fragen nach Leben, Tod und dem Leben nach dem Tod, die einen zum Denken anregen, ohne langweilig oder kompliziert zu werden. Es wird aus der Sicht der vier Hauptfiguren erzählt, die alle völlig verschiedene Persönlichkeiten haben, und selbst die, die man unsympathisch findet, vertreten interessante Sichtweisen und machen Spaß zu lesen. Die Geschichte wird nicht linear erzählt, sodass erst später alles einen Sinn ergibt. Dadurch verliert das Buch in der Mitte etwas an Schwung und das Ende wirkt ein bisschen plötzlich. Es ist trotzdem ein interessantes und durchaus lesenswertes Buch.

ISBN 978-3-8369-5899-8 / EUR 19,95 / Gerstenberg-Verlag / ab 14 Jahren / 432 Seiten / aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf

Lian Alipour, 18 Jahre

Rainer M. Schröder: Himmel ohne Sterne

Deutschland 1946: Ein Jahr ist die Befreiung der Juden aus den KZ bereits her, doch so wie vor dem Krieg ist es jedoch noch lange nicht wieder. Wie lebende Tote ziehen die Überlebenden durch ganz Deutschland auf der Suche nach Freunden und Verwandten, die, wie sie, das KZ überlebt haben. Leah Friedberg ist eine dieser Überlebenden, eine, die alles verloren hat. Doch als sie in ihrer zerbombten Heimatstadt ihrem Kindheitsfreund Jannek über den Weg läuft, tut sich plötzlich ein Hoffnungsschimmer am Horizont auf: Alija Bet. Alija Bet ist der Codename für die illegale Einwanderung in das britische Mandatsgebiet Palästina. Denn in Deutschland, in ganz Europa, sehen die Juden für sich keine Zukunft mehr. Nirgendwo sind sie wirklich willkommen, das Einzige was es für sie hier gibt, ist ein „Himmel ohne Sterne“

Dieses Buch ist wunderschön geschrieben und regt zum Nachdenken an. Es erzählt von den Verbrechen und Grausamkeiten der Nazis an den Juden. Aber es verdeutlicht auch die Hoffnung der Juden auf ein eigenes Land.

ISBN 978-3-570-17222-3 /16,99€ / Cbj / ab 14 Jahren / 576 Seiten

Emma Michaelsen, 16 Jahre

Nina Blazon: Feuerrot

Madda, eigentlich Magdalene, hat Glück. Das denken jedenfalls alle, als sie, nachdem starke Missernten und viele Unwetter ihre Familie in die Armut stürzten, Arbeit als Magd bei dem reichen Kaufmann Humpis bekommt. Doch ist diese Arbeit wirklich ein Segen für Madda? Diese Frage lässt sich klären, als Kaufmannssohn Lucio aus Italien bei Familie Humpis auftaucht. Lucio ist geheimnisvoll und verschlagen, doch scheint ihn jeder zu mögen und ihm zu vertrauen. Als er Madda verführen will und sie ihn zurückweist, zeigt er sie der Hexerei an.

Auch Elisabeth hat es als Ziehtochter in der Humpis Familie nicht gerade leicht. Sie ist hin- und hergerissen zwischen ihrer Liebe zu Humpis‘ Enkel Beno und den Gesetzen ihrer Tante zum Thema Ehemann. Noch dazu versucht Lucio auch sie zu verführen. Und um sie herum toben in Ravensburg die Hexenprozesse unter dem allerseits gefürchteten Inquisitor Heinrich Kramer. Wird Madda es schaffen, sich vor dem Scheiterhaufen zu retten? Und was führt Lucio wirklich im Schilde?

Dieses historische Jugendbuch legt nahe, wie es bei einem Hexenprozess wirklich zuging, erzählt aber auch von Freundschaft und Liebe. Es ist sehr gut geschrieben, abwechselnd wird aus Elisabeths und Maddas Sicht berichtet. Mir gefiel dieses Buch sehr gut, ich konnte es kaum aus der Hand legen und musste einfach weiter lesen.

ISBN 978-3-473-40133-8, € 16,99, Ravensburger, ab 13 Jahren, 511 Seiten

Emma Michaelsen, 16 Jahre

Jacqueline Kelly: Calpurnias faszinierende Forschungen

Calpurnia Virginia Tate ist 13 Jahre alt und lebt im Jahr 1900 mit ihrem Großvater, ihren Eltern und ihren sieben Brüdern auf einer großen Farm in Texas. Sie ist sehr schlau, klug und liebt die Natur. Mit ihrem Großvater erforscht sie gerne den Wald rund um das Grundstück. Ihr Bruder Travis und sie nehmen es im Laufe des Romans immer wieder mit wilden Tieren wie einem Gürteltier oder einem Waschbär auf. Bald merken sie doch, dass man diese lieber nicht als Haustiere halten sollte.
Als das Haus, in dem ihr Onkel wohnt, durch eine große Sturmflut zerstört wird, kommen vorübergehend ihre Cousine Aggie und der Tierarzt Dr. Pritzker auf die Farm. Die Eltern ihrer Cousine bauen währenddessen das Haus wieder auf. In ihrer Freizeit trifft sich Calpurnia mit dem Tierarzt und hilft ihm, Tiere zu versorgen. Das muss sie aber vor ihren Eltern geheim halten, die es am liebsten hätten, wenn Calpurnia die ganze Zeit strickend in ihrem Zimmer sitzen würde. Als Calpurnia und Travis einen kleinen, verletzten Hund fangen, fängt die Geheimniskrämerei erst richtig an…
Im Prinzip ist das Buch eine Aneinanderreihung von vielen kleinen Geschichten, die am Ende alle zusammengeführt werden. Für das Buch muss man den ersten Band, „Calpurnias (r)evolutionäre Entdeckungen“, nicht gelesen haben, aber manche Sachen sind dann verständlicher.
Mir hat das Buch gut gefallen. Auch der Schreibstil war sehr schön. Besonders interessant fand ich, dass das Buch vor mehr als 100 Jahren spielt, zum Beispiel sind Elektrizität und Autos etwas ganz Neues für Calpurnia. Außerdem fand ich die Benachteiligung von Mädchen zu der Zeit gut beschrieben.

ISBN 978-3-446-25030-7, EUR 16,90, Hanser Verlag, ab 12 Jahren, 320 Seiten, aus dem Englischen von Birgitt Kollmann

Anne Bachmann, 13 Jahre

Antoinette Lühmann: Sternengreifer

Benedict, ein 14-jähriger Junge, hat seit langem nur einen Traum: Fliegen! Deswegen läuft er auch aus dem Kloster, in dem er aufgezogen wurde, weg. Er versucht, in Paris sein großes Vorbild Henri Giffard zu finden. Dieser ist Aeronaut und Erfinder und Benedict hofft, viel von ihm zu lernen und endlich fliegen zu können. Doch auch der skrupellose Charles Godin und sein Sohn Sebastien haben ihr eigenes Interesse an dem Erfinder und wollen diesen für ihre Vorteile nutzen. Dabei gehen sie rücksichtslos und wenig zimperlich auch gegenüber Benedict vor und es wird für ihn und Henri gefährlich.

Das Buch hat mir gut gefallen, da es sehr spannend geschrieben ist. Mich haben die vielen Verwicklungen zwischen den einzelnen Personen, die sich erst im Verlauf der Geschichte auflösen, sehr gefesselt. Außerdem fand ich es sehr interessant, dass das Buch sehr anschaulich das Leben in Paris in früherer Zeit beschreibt und mit dem Erfinder Henri Giffard einen Bezug zur Realität hat, da es diesen wirklich gab.

ISBN 978-3-649-61535-4, EUR 14,95, Coppenrath, ab 11 Jahren, 352 Seiten

Torge Jönck, 12 Jahre